Der Inselrat erlaubt zwei große Besitztümer in Marratxí auf Mallorca, die künftig als Agrotourismusbetriebe genutzt werden sollen. Dies wirft Fragen auf: Wer profitiert von dieser Entscheidung, wer verliert Raum, und welche Regeln sind notwendig, um zu verhindern, dass unser kulturelles Erbe zu einer reinen Touristenattraktion verkommt?
Es geht um die Frage, wem die Umwidmung historischer Besitztümer wirklich nützt – den Anwohnern oder dem Wachstum des Tourismus?
Die Entscheidung des Inselrats reiht sich in eine größere Vergaberunde ein, bei der zahlreiche touristische Betten in Gebäuden untergebracht werden sollen, die als Kulturgut gelten. Einerseits scheint dies eine gute Möglichkeit zu sein, verwaiste Fincas wiederzubeleben. Andererseits stellt sich die Frage, ob die Kulturpflege nicht den Marktinteressen untergeordnet wird. Investoren bringen zwar Geld für Restaurierungen und schaffen Arbeitsplätze, aber es besteht die Gefahr, dass die Öffentlichkeit und die lokale Identität verloren gehen, wenn historische Gebäude nach Marktlogik geöffnet werden.
Es bedarf transparenter Kriterien für die Zulassung von Gebäuden mit BIC-Status für touristische Zwecke, verbindlicher Auflagen zur Sicherung von Renaturierung und lokaler Nutzung sowie einer klaren Verteilung der Einnahmen zugunsten der Gemeinde. Ohne diese Elemente besteht die Gefahr, dass Kulturgüter in reine Ferienresorts verwandelt werden.
Konkrete Vorschläge umfassen verbindliche Verträge zur Erhaltung denkmalwerter Substanz, Begrenzungen der Gästezahlen pro Gemeinde, die Pflicht zu lokalen Arbeitsverträgen und bevorzugtem Einkauf bei örtlichen Produzenten, Transparenz bei Restaurierungsplänen und die Beteiligung der Anwohner vor der Genehmigung.
Zudem sollten touristische Plätze in historischen Gebäuden an Gegenleistungen gebunden sein, wie z.B. regelmäßige Tage mit freiem Zugang für die Bevölkerung oder Einnahmenanteile für kommunale Restaurationsfonds. Der Inselrat muss Infrastrukturperspektiven bei Vergaben offenlegen. Die Wiederbelebung verfallener Besitztümer kann eine Chance sein, wenn Kulturpflege, Gemeinwohl und Tourismusnutzung gleichberechtigt behandelt werden. Ohne klare Regeln droht jedoch, dass historische Gebäude nur Kulisse für teure Urlaube werden, ohne greifbare Vorteile für die lokale Gemeinschaft.
Quelle: Agenturen




